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Abb.: Beim Abendvortrag in Munsbach kündigte Änder Schanck den Gastredner Helmy Abouleish an, der die ägyptische Sekem-Initiative als „Impulsgeber aus der Wüste“ präsentierte.

Assoziatives Wirtschaften im Biohandel – Elemente und Schritte zu einer Charta

11.12.2017


„Assoziatives Wirtschaften im Biohandel – Elemente und Schritte zu einer Charta“ hieß das fünfte internationale Wirtschaftskreistreffen der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum in Dornach. Dieses fand vom 23. bis 25. November 2017 in der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn und im OIKOPOLIS-Zentrum in Munsbach statt. Die Aufteilung auf diese zwei Standorte ergab sich aus der Intention des Wirtschaftskreises, in diesem Jahr die Grundlagenarbeit des deutschen Demeter-Bundes e.V. mit den praktischen Erfahrungen der OIKOPOLIS-Gruppe im assoziativen Zusammenarbeiten der Wertschöpfungsketten zu verbinden. Zwischen 50 und 60 Personen nahmen an dieser Konferenz teil.


Zu Beginn der Tagung wurde nach der Begrüßung durch Ueli Hurter, Co-Leiter der Landwirtschaft-lichen Sektion, und Alexander Gerber, Vorstand von Demeter e.V. zunächst die Ist-Situation aus der Sicht verschiedener Betroffener dargestellt. Dabei hat die Entwicklung der letzten Monate quasi in allen Ländern deutlich gezeigt, dass inzwischen immer mehr Bio- und auch Demeter-Produkte über konventionelle Supermärkte und sogar Discounter gehandelt werden, und sich deren Handels- und Preispolitik negativ auf die Naturkostbranche auswirkt. Die Notwendigkeit neuer Formen der Zusammenarbeit wurde auf diese Weise deutlich. Am Abend gab es einen Vortrag von Wolfgang Tomaschitz aus Österreich zum Thema „Gegenwärtige und zukünftige Kulturtechniken“ und am folgenden Morgen brachte Udo Herrmannstorfer in seinem Referat zur Frage „Verlust der Mitte im Bio-Handel?“ die Thematik auf den Punkt: Die Mitte zwischen Produktion und Konsum muss bewusst gestaltet werden, wenn der Naturkostfachhandel nicht auf der ganzen Linie verlieren will. In den darauf folgenden Gruppenarbeitssitzungen wurden erste Kriterien und Elemente von assoziativer Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette erarbeitet. Zum Schluss dieses Grundlagenforums präsentierten Änder Schanck und Sigmund Walbaum das schon zuvor von der OIKOPOLIS-Gruppe in Luxemburg entwickelte „fair&associative“-Siegel mit der dazugehörenden Charta. Es wurde dabei von beiden betont, dass dieser Vorgriff gegebenenfalls abgeändert wird, sollte eine gemeinsame internationale Variante entwickelt werden können.

Am Freitagnachmittag machten die Tagungsteilnehmer dann den Sprung nach Luxemburg, besuchten den Cactus-Supermarkt in Mersch, den Kass-Haff in Rollingen und begaben sich schließlich in die OIKOPOLIS nach Munsbach. Am Abend fand hier vor erweitertem Publikum ein interessanter Vortrag von Helmy Abouleish zum Thema „Solidarisches Wirtschaften – Impulse aus der Wüste“ statt. Am Samstagmorgen wurde dann in verschiedenen Arbeitsgruppen die dokumentierte Vorarbeit aus dem Grundlagenforum vom Vortag ausformuliert und ein Charta-Dokument über assoziatives Zusammenarbeiten erstellt, das alle anwesenden Akteure bereit waren mitzutragen.


Dass die Erstellung einer Charta möglich war, wurde von den meisten Teilnehmern als großer Erfolg bezeichnet. In einem abschließenden Plenum kamen dann noch Wirtschaftsakteure aus unterschiedlichen Ländern, wie z.B. Italien, Slowenien, Polen, Belgien, Deutschland und den Niederlanden zu Wort, um zum einen ihre aktuelle Situation zu schildern und zum anderen ihr Interesse für ihre weitere Teilnahme am Wirtschaftskreis zu bekunden.