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Abb.: Crossover nach Poosiak: australische Aboriginal Art trifft neonbunte Pop Art

Pure Farbkraft : „Pouring Art" im NATURATA Resto

18.7.2019


Seit Mitte Juli vermittelt das Munsbacher NATURATA Bio Resto & Café seinen Besucherinnen und Besuchern wiederum neue Impressionen und anregende Bilder fürs Kopfkino aller Kunst- und Dekofans – dank einer Ausstellung ausgewählter Werke von „Poosiak“. Bei aller technischen Vielfalt ist ihnen eines gemeinsam: sie setzen primär auf die Macht der Farbe und technische Experimente: jede Leinwand ein Statement – und jedes steht für sich.

Darauf legt der Luxemburger Kai Christophe Poos größten Wert, denn er will nur das auf Leinwand bannen, was „wirklich aus mir herauskommt“. Sich auf eine Stilrichtung zu beschränken, kommt für ihn nicht in Frage, auch wenn Galeristen ihm dies mehrfach angeraten haben. Als Freund starker Kontraste versucht er viel lieber, das vermeintlich Unvereinbare zusammenzubringen: Organisches und Geometrie, Zufallsprinzip und strenge Regie, Tradition und Innovation, Hell-Dunkel, Neon und Naturtöne…

Kunstschubladen? Nein danke!


Die Reihe ließe sich fortsetzen, doch die genannten Gegensatzpaare sind diejenigen, die seit 20 Jahren das kreative Schaffen von „Poosiak“ am markantesten prägen. Der Künstlername, denn Kai Poos sich zugelegt hat, ist bezeichnend, denn in der Fusion aus seinem Nach- und dem umgedrehten Vornamen prallen in der Wortmitte genau genommen zwei Wortenden aufeinander. Um das gewohnte Namensbild zu bekommen, müsste man nach dem ersten Teil ans Ende springen und das Buchstabenfeld sozusagen von hinten aufrollen.

Das ist typisch für einen, der sich der Einsortierung in Kunstschubladen ganz bewusst widersetzt. Stattdessen ist die Passion für Powerfarben und technische Experimente der rote Faden im vielgestaltigen Werk. Beim Schaffensprozess reizt Poosiak die Reaktivität hochqualitativer Acrylfarben immer weiter aus, und das Ergebnis – eine Mischung zufälliger Effekte mit vorbedachter Wirkung und hochkonzentrierter Reaktion auf das Unkalkulierbare eröffnet dem Betrachter eine Augenreise über eine farbenreich strukturierte, aber verblüffend glatte Oberfläche.

Fluid Paintings? Pouring Art!


Das ist typisch für die „Pouring Art“, der Poosiak sich verschrieben hat. Bei dieser Fließtechnik wird hochpigmentierte Acrylfarbe mit Gelbildnern, Konsistenzgebern, Emulgatoren und anderen Zusätzen versetzt und auf die Fläche gegossen – daher der Name (engl. „to pour“ = gießen). Durch Drehen, Wenden und Kippen der Leinwand verlaufen die Farbfelder, durch Zusatz von Silikonöl bilden sich in ihnen eingeschlossene „Blasen“, Schlieren und andere Marmoreffekte, die durch punktuelles Erhitzen mit Bunsenbrenner, Fön oder einfach dem Haushaltshelfer für die Herstellung einer Crème brûlée noch weiter beeinflusst werden können. Seit gut zwei Jahren hat Poosiak mit diesem Maltrend aus den USA reichlich Erfahrung gesammelt, wie etliche ausgestellte Bilder mit den typischen Marmoreffekten und fluiden Farbflächen in Munsbach bezeugen.

Im krassen Gegensatz dazu stehen Vertreter der ebenfalls recht rezenten Tape Art, die aus Klebebändern entstanden ist. Im Gegensatz zu deren typischen Vertretern, die aus farbigen Bändern Effekte der Op-Art schaffen, setzt Poosiak die Bänder ein, um geometrische Figuren auf dem Trägermaterial zu schaffen, die er wiederum mit leuchtenden Farben ausgießt. Quasi als Ausgleich für dieses Spiel mit Ecken und Kanten, in die er die Flüssigfarbe zwingt, wählt der Künstler kreisrunde Untergründe – ein absolut ungewöhnliches Leinwandformat.

Inspiration aus „Down Under“


Um dem Facettenreichtum der Ausstellung ein letztes Augenzwinkern mitzugeben, werden zwei Tableaus gezeigt, die Elemente aus der so genannten Aboriginal Art aufgreifen (s.o.). Die für Wandmalereien der nativen BevöLkerung Australiens typischen Perlschnüre, floralen Ranken und Tiersilhouetten transponiert Poosiak mithilfe grell-harrmonischer Leuchtfarben in eine neue Art von Folk-Pop-Kunst. Auch das ist sehr anregend zu sehen…

Besucherinfo:

Die Ausstellung ist geöffnet während der Öffnungszeiten des NATURATA-Restaurants, also montags bis freitags von 8:30 bis 18:30, samstags bis 17:30 Uhr. Wer sich in eines der hier gezeigten Bilder verliebt, mehr oder anderes sehen oder eine großräumige Dekoration in Auftrag geben will, wird gebeten, seine Kontaktdaten im nebenan gelegenen Fachgeschäft NATURATA beauty&culture zu hinterlassen. Viviane Schanck, die als Kuratorin für die Wechselausstellungen bei NATURATA verantwortlich zeichnet, stellt dann den Kontakt zum Künstler her.